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Bundesagentur für Sprunginnovationen fördert Vorhaben zur Entwicklung antiviraler Mittel

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Internationales Antivirus-Projekt MUCBOOST um Dr. Daniel Lauster vom Institut für Chemie und Biochemie erhält rund 1,5 Millionen Euro / eines von sechs ausgezeichneten Projekten

Ein internationales Team unter der Leitung der Freien Universität Berlin wird für die Entwicklung neuer antiviraler Wirkstoffe durch die Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) gefördert. Ausgezeichnet wurde das MucBoost-Projekt, geleitet von Dr. Daniel Lauster vom Institut für Chemie und Biochemie. Es wird als eines von insgesamt sechs Projekten bundesweit gefördert und erhält 1,5 Millionen Euro. Das Team entwickelt ein „Upgrade gegen Krankheitserreger“, bei dem die antivirale Wirksamkeit des Mukus, des Schleims, der die Atemwege überzieht, gezielt verstärkt wird. Zu dem Team zählen neben Antragsteller Dr. Daniel Lauster, Prof. Dr. Benedikt Kaufer und Dr. Jakob Trimpert als weitere Mitglieder der Freien Universität Berlin sowie Prof. Dr. Christian Hackenberger vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), Prof. Christian Sieben vom Helmholtz Zentrums für Infektionsbiologie (HZI), Dr. Prisca Boisguerin vom „Institut national de la santé et de la recherche médicale“ (Inserm) aus Montpellier sowie Dr. Marius Hittinger vom Pharmaentwicklungsunternehmens PharmBioTec und Dr. Andreas Bilstein von URSATEC, einem Anbieter von Dosiersystemen. Die Auszeichnung wurde am Mittwoch verliehen.

Dieses Upgrade funktioniert nach Angaben der Forschenden nach einem Baukastenprinzip; es könne so flexibel an unterschiedlichste Viren angepasst werden. Gleichzeitig habe der Ansatz nach Einschätzung der Forscherinnen und Forscher das Potenzial, die Übertragbarkeit von Viren so zu verringern, dass diese verstärkt am Mukus haften bleiben. „Er wirkt also wie eine molekulare Maske“, erklärt Daniel Lauster.

Gefördert werden die Projekte im Rahmen der zweiten Phase der SPRIND Challenge „Ein Quantensprung für neue antivirale Mittel“. Die sechs Teams erhalten für die kommenden zwölf Monate jeweils bis zu 1,5 Millionen Euro für die Entwicklung von neuen Wirkstoffkandidaten gegen virale Krankheiten. Für die dritte und letzte Stufe des Innovationswettbewerbs werden bis zu vier Teams ausgewählt, die dann jeweils weitere zwei Millionen Euro für die Fortführung ihrer Entwicklungsarbeiten erhalten.

Dr. Franziska Brantner, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz erklärte: „Ich gratuliere allen Teams, die es in die zweite Runde der Anti-Viren-Challenge der SPRIND geschafft haben. Sie arbeiten daran, mit bahnbrechenden Technologien das Repertoire an antiviralen Therapeutika zu erweitern, damit in Zukunft neue Behandlungsmöglichkeiten zur Auswahl stehen und Patientinnen und Patienten schnell geholfen werden kann. Die Covid-19-Pandemie führt uns sehr deutlich vor Augen, wie wichtig Fortschritte in diesem Bereich sind. Man kann daher gar nicht genug betonen, wie wichtig dieser Wettbewerb ist. Auch bei den nun ausgeschiedenen Teams möchte ich mich sehr herzlich bedanken – ihre Ergebnisse aus der ersten Runde haben ebenfalls einen großen Mehrwert, denn auch von diesen Arbeiten kann man lernen.“

Spätestens seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie gelten Viren als eine Bedrohung für die Gesundheit der Menschen weltweit. Trotz des beachtlichen Erfolgs von Impfstoffen werden auch antivirale Medikamente benötigt, um Erkrankten helfen zu können. Für viele Viruserkrankungen, die die Menschheit seit Langem begleiten, gibt es bis heute noch keine wirksamen Medikamente. Der Blick auf Ausbrüche von SARS-CoV-1, MERS-CoV, Ebola oder Influenza verdeutlicht, dass wir uns für zukünftige Epidemien und Pandemien wappnen müssen. Damit ein Durchbruch bei der Entwicklung neuer antiviraler Medikamente gelingt, hat die Bundesagentur für Sprunginnovationen vor mehr als einem Jahr zu dieser SPRIND Challenge aufgerufen. Darin treten Teams parallel mit unterschiedlichen Lösungsstrategien an, um in einem Wettbewerb über drei Jahre die vielversprechendsten Wirkstoffe im Kampf gegen Viruserkrankungen zu finden.

Eine Jury aus Wissenschaft und Wirtschaft hatte in der zweiten Wettbewerbsrunde aus neun Teams die sechs Kandidaten ausgewählt, die an der nächsten Stufe dieses Innovationswettbewerbes teilnehmen werden. Das Team um Daniel Lauster konnte die Jury überzeugen, dass die Arbeiten neue antivirale Medikamente hervorzubringen können, die das Potenzial haben, auch gegen heute noch unbekannte Viren erfolgreich eingesetzt werden zu können.

Im ersten Jahr der Förderung erzielte Daniel Lauster gemeinsam mit Christian Hackenberger am Berliner FMP eine chemische und biotechnologische Synthese des antiviralen Wirkstoffs. Die Syntheseprodukte wurden dann von Christian Sieben am HZI in Braunschweig in einem Hochsicherheitslabor auf ihre antivirale Wirkung an einem zellbasiertem Lungenmodell gegen Coronaviren erfolgreich getestet.

In der zweiten Förderphase soll die antivirale Substanz von Jakob Trimpert und Benedikt Kaufer an der Freien Universität Berlin in präklinischen Studien erprobt werden. Außerdem soll das System für eine Hemmung von Grippeviren in Zusammenarbeit mit Prisca Boisguerin in Montpellier angepasst werden, und es sollen Formulierungsarbeiten eines Nasensprays in Kooperation mit PharmBioTec und URSATEC gestartet werden. Aufgrund der vielversprechenden Technologie plant das Projekt MucBoost eine Ausgründung auf dem Campus der Freien Universität Berlin Ende 2023.

SPRIND Challenges sind nach Angaben der Bundesagentur für Sprunginnovationen Innovationswettbewerbe, die zum Ziel haben, Lösungen für die großen gesellschaftlichen und technologischen Herausforderungen der Gegenwart hervorzubringen. Entworfen werden soll die Vision einer besseren Zukunft durch die Zusammenarbeit von Forschenden sowie von Personen aus Innovation und Entrepreneurship. Deshalb werden die Challenge-Teams schnell und unbürokratisch finanziert und starten umgehend in einen mehrstufigen Wettbewerb. Zum Ende jeder Stufe wird die Arbeit der Teams evaluiert, und nur die Besten verbleiben in der Challenge und erhalten weitere finanzielle Unterstützung, um ihre Idee weiterzuentwickeln. In einem Jahr werden die Ergebnisse der zweiten Stufe dieser SPRIND Challenge von der Jury erneut bewertet.

Die Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND wurde Ende 2019 mit Geschäftssitz in Leipzig gegründet. Alleinige Gesellschafterin ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). SPRIND schließt nach eigenen Angaben eine Lücke in der deutschen Innovationslandschaft: Sie findet neue, bahnbrechende Technologien für die großen Herausforderungen der Gegenwart und stellt gleichzeitig sicher, dass die Wertschöpfung der daraus entstehenden Unternehmen und Industrien in Deutschland und Europa bleibt. SPRIND wird aus Mitteln des Bundeshaushalts finanziert. Geführt wird SPRIND von Rafael Laguna de la Vera und Berit Dannenberg.


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Prof. Dr. Christian Hackenberger

Head Hackenberger Group,

  • Humboldt-Leibniz Professor Chemical Biology Humboldt-Universität zu Berlin

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Chemical Biology